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FREITAG, 05.01.2007 - 02:15 Uhr
Sed-Cards und Model-Books (German/Deutsch)
Sed-Cards, how to do ?
Sed-Cards, auch Compcards, sind das wichtigste Werbemittel, das Fotomodellen zur
Anpreisung ihrer Tätigkeit zur Verfügung steht.
Der Name geht zurück auf die britische Agentur Parker-Sed, deren Inhaber
Sebastian Sed in den 60er Jahren die Karten erfunden hat, um ein standardisiertes
Mittel zur Modelauswahl zu erhalten. Die Agentur operierte als eine der ersten
weltweit mit Filialen unter anderem in Hamburg und New York
Sed-Cards sind heute in allen Agenturen weltweit das Organisations-
und Arbeitsmittel der Wahl.
Eine Sed-Card hat immer ein Format von DIN A5 (148x210 mm) oder dem US-Format
"US-Statement/Half" ( 5.5" x 8.5"/139,7x 215,9 mm).
Generell ist es sinnvoll sich dem Format des Produktionsgebietes anzupassen,
Drucker sind dann etwas billiger als bei dem jeweiligen anderen Format.
Sed-Cards haben auf der Vorderseite fast immer ein einzelnes Foto, das bei guten
Sed-Cards auch formatfüllend ist. Sinnvollerweise ist dies ein Portrait
mit Augenkontakt, das Model sollte dafür also direkt in die Kamera schauen.
Die Sed-Cards stehen in fast allen Agenturen auf Regalen nebeneinander und
untereinander, ganze Wände sind mit Sed-Cards ausgefüllt. Sowohl
die Booker der Agentur als auch die buchenden Fotografen und Agenturen haben
selten viel Zeit zum Selektieren. Sicher werden niemals alle Karten angefasst.
Für jede Produktion gibt es bestimmte Vorgaben, z.B. Haarfarbe. Wenn Rot
gefragt ist, fallen alle anderen ohnehin raus. Haarfarben sollten also gut
zu erkennen sein, wenn es eine farbige Karte wird. Nur in Ausnahmefällen
wie besonders guten Beinen oder Händen, zeigt man die separat. Wobei
gutes Bein Definitionssache ist. Die meisten Strumpfmodelle empfinde ich
persönlich als entsetzliche Hungerhaken, aber für den Zweck sind lange
dürre Beine unersetzlich. Wer mal Fotos von Strümpfen gemacht hat,
wird das verstehen.
Wenn es diese Besonderheiten nicht gibt, dann sollte auf das Deckblatt immer
ein möglichst formatfüllendes Portrait. Dazu den Namen des Modells
entweder in Schwarz auf eine helle Stelle des Bildes oder Negativ-Weiss in
dunkle Bildteile. Farbige Hervorhebungen lenken vom Bild ab und verhindern
Augenkontakt, klares K.O.-Kriterium.
Das Deckblatt ist der Punkt, wo es um Buchung oder Nichtbuchung geht. Wenn
ich in eine Agentur reinkomme, scanne ich die Regale ab, einige fallen mir
auf, die nehme ich dann heraus, andere werden mir von den Bookern als
Tagesgericht vorgelegt, entweder aus persönlichen Seilschaften oder weil
die Models Erfahrung benötigen, zu kleineren Preisen arbeiten weil sie
Muster für eine Sed-Card oder das Buch benötigen, oder weil sie
tatsächlich in das Anforderungsprofil passen. In genau dieser Reihenfolge.
Der Augenkontakt und die Sympathie beim Betrachten des Deckblatts ist Kern-
und Angelpunkt für die Entscheidung die Karte eventuell näher zu betrachten.
Auch die Agenturbooker kennen lange nicht alle Models persönlich, für
sie gilt genau wie für die auswählenden Fotografen und Werbeagenturen
die persönliche Sympathie als ausschlaggebend.
Sed-Cards sind entweder einfache Karten von etwa 280 gr./qm, oder Klappkarten
die ein oder zweimal ausgeklappt werden. Je dicker, desto teurer. Die Titelseite
oder bei Klappkarten die Aussenseite ist oft farbig gedruckt, das muss aber nicht
sein. Aus Kostengründen ist die Innenseite fast immer Schwarzweiss gedruckt.
Wer hier auch Farbe reinballert, ist entweder sauteuer oder strunzt zuviel. Oder
er/sie kann nicht rechnen. Teure Karten erneuert man nicht sehr häufig, sie
sind oft veraltet. Also auch eher ein K.O.-Kriterium. Man sollte mindestens
1000 Stück Startauflage drucken, an Agenturen schickt man immer gleich mehrere
Exemplare, für Fotografen reichen 2 Stück. Wenn den Agenturen die Karten
ausgehen (die kommen ja selten zurück) machen die oft von der letzten (wenn
es die noch gibt) Fotokopien. Was das für die Marktchancen bedeutet, muss ich
wohl nicht extra erklären.
Gute Karten sind UV-lackiert (Hochglanz, nicht zu verwechseln mit Drucklack) oder
cellophaniert. Cellophanierung ist die höherwertige Sache, Schwärzen im
Druck kommen bei weitem satter als bei unkaschiertem Druck, die Karte schubbert auch
nicht so schnell ab. Wenn die Entscheidung offen ist, entweder eine Doppelkarte
zum Klappen zu machen, oder eine einfache Karte mit Cellophanierung, dann würde
ich immer die cellophanierte Karte wählen.
Auf der Rückseite oder Innenseite sind auch die Daten des Modells zu finden.
Dazu gehören auf jeden Fall Körpergrösse, Oberweite, Taille, Hüfte,
bei Ladies auch BH-Grösse (Unterbrustweite/Cup), Konfektionsgrösse,
Schuhgrösse, Kopfweite (für Hüte), Augenfarbe, Haarfarbe. Zumindest
die Haarfarbe sollte über die Laufzeit der Karte dann auch gleich bleiben,
oder man sollte "ständig wechselnd" in die Karte schreiben. Alle Angaben
macht man sowohl in Deutsch / Zentimeter als auch in Englisch / Zoll.
Schuhgrössen/Konfektionen sind dann auch in US-Grössen anzugeben. Man
lässt einen freien Bereich auf der Rückseite, in die die Agentur oder
das Modell einen Aufkleber mit Kontaktadresse kleben kann. Agenturen hassen es,
wenn schon jemand anders draufsteht, und wenn es nur das Modell selbst ist. Also
macht man das variabel. Dann kann man auch mal umziehen, ohne alle Karten neu
drucken zu müssen.
Rückseite und gegebenenfalls Innenseite enthalten weitere Fotos, die möglichst
viele Varianten zeigen sollen. Das kann Abendgarderobe sein, sportliche Aktivitäten
zeigen, "Familienleben" zeigen (Eltern sind selten zu kriegen !) Spass, Lifestyle,
Wut, etc. zeigen. Je mehr verschiedene Stimmungen zu sehen sind, um so flexibler ist
das Modell in der Regel. Wenn ich eine Sed-Card mit immer der gleichen Gesichtslähmung
in der Hand habe, dann weiss ich wen ich nicht buche. Bei Damen ist ein Bild im Badeanzug,
Bikini oder in Wäsche sicher nicht schlecht. Bei Herren tut es auch die Calvin
Klein Unterhose.
Die Sed-Cards müssen dann aber auch ihren Weg zum potentiellen Kunden finden. Das
kann man per Post machen, geht aber auch persönlich viel besser wenn möglich.
Bei den meisten Agenturen und Fotografen kann man nach kurzfristiger Voranmeldung kurz
vorbeischauen und eine Karte abgeben, manche bitten um Zusendung. Nicht zuviel reden,
ein persönlicher Eindruck reicht meist. Wer zuviel Sitzfleisch hat, hält den
Betrieb auf. Und Besetzungscouch sollte man tunlichst vermeiden. Führt zu nix.
Ausser zu Präsidentensex. Und ob das so gut ist....
Man kann Adressen aus dem Internet beziehen, aus dem Art Buyers Handbook, Adressenlisten
beim AWI, dem BFF, den Arbeitsämtern (Künstlerdienste) beziehen. Red Box und
Art Directors Index oder die dreimonatlich erscheinende Select sind ebenfalls gute Quellen.
Wer in der Select inseriert, hat zumindest vierstelliges Geld für die Anzeigenseite
flüssig, das heisst er/sie ist sicher auch nicht schlecht im Geschäft. Wenn
man die alle angeschrieben oder besucht hat, sind die 1000 Karten schnell weg, und
reichlich Porto hat man auch verbraten. Dann sollten schon ab und an Aufträge
kommen. Wenn man damit einiges verdient hat, sollte man die nächste Karte bauen.
Diesmal mit einem oder zwei gedruckten Mustern aus den Arbeiten, die man zuletzt
gemacht hat auf der Rück- oder Innenseite. |
Produktion der Karte:
Jeder einigermassen vernünftig ausgestattete PC oder Mac mit einem guten Scanner
und einem brauchbaren DTP-Programm wie Corel, Pagemaker, InDesign oder Quark Xpress taugen
dafür. Ich mache das in Photoshop und InDesign. Die fertige Satzdatei brennt man sinnvollerweise als PDF/X auf CD und trägt sie zum Drucker.
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Modelbooks
Modelbooks sind die ausführlichere Version einer Sed-Card. Sie enthalten im
Wesentlichen die gleichen Fotos wie die Sed-Card, aber alle in einem möglichst
einheitlichen Format. Dazu kommen "Tear-Sheets", Ausrisse aus Zeitungen mit gedruckten
Arbeitsergebnissen. Tear-Sheets beweisen, dass man für professionelle
Produktionen gebucht wird und dass diese Sachen auch erfolgreich gedruckt
werden. Sie sind quasi das Diplom für ein Modell.
Books werden oft im Format 24x32 verwendet. Meist sind es Multiringbücher
von Hansa (Press Book Prat) oder Panodia mit wechselbaren Einlegern. Bilder
werden entweder als Vollformatvergrösserungen 24x30 oder als 18x24 Prints,
aufgezogen auf 24x30 Kartons eingelegt. Dazu kommen Ausrisse aus Zeitungen mit
einigermassen aktuellen gedruckten Arbeiten.
Billiger geht es mit sogenannten Zeigebüchern z.B. von Durable, in die je
10, 20 oder 40 Hüllen im Format DIN A4 fest eingeschweisst sind.
Diese kurze Anleitung ist sicher nicht vollständig, aber sie gibt eine
gute Idee davon, was nöltig ist für Book und Sed-Card. Wer
weitergehende Fragen hat, kann mich gerne kontaktieren. |
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